23.04.2011 Bushido - Zäpfle Club Freiburg

Wegen eines Bandscheibenvorfalls musste Bushido seine für Dezember 2010 geplante Tour verschieben. Ein halbes Jahr später, am 23.04.2011, war es dann soweit: Die V2.010-Tour, als Ankündigung für das bald erscheinende Album „Jenseits von Gut und Böse“, gastierte im Zäpfle Club. Wir waren für euch dabei.

Der Hauptakt des heutigen Abends scheint ebenso wenig in die von Sandalen tragenden Grün-Wählern überflutete Ökostadt Freiburg zu passen, wie die Uhrzeit zu der das ganze Spektakel stattfindet: Es ist 19 Uhr. Bei strahlendem Sonnenschein stehe ich mir neben ca. 200 aufgeregten Bushido Anhängern die Beine in den Bauch und warte sehnsüchtig darauf, dass der Zäpfle Club am Messegelände seine Pforten öffnet.

Gute 40 Minuten später ist es dann auch so weit. Doors open! Beim ein oder anderen Fan schlägt die anfängliche Euphorie allerdings schnell in Frust um, da die gewohnt finster drein blickenden Türsteher Jugendlichen unter 16 Jahren nur in Begleitung einer Aufsichtsperson Einlass gewähren! Wer diese Hürde gemeistert hat kann seine Kehle in der Vorhalle für annehmbare Drei Euro mit einem frisch gezapften Rothaus befeuchten - bei über 20 Grad Außentemperatur meiner Meinung nach die richtige Entscheidung. Alternativ dazu kann man sein Erspartes aber auch am Merchandise Stand nebenan loswerden. Hier findet der eingefleischte Bushido Fan alles was das Herz begehrt: Von T-Shirts über String Tangas bis hin zum "ersguterjunge"-Notizblock für die Schule.

Der Zäpfle Club selbst scheint für die Veranstaltung etwas überdimensioniert. Die geschätzten 1200 Konzertbesucher reichen gerade aus um die vordere Hälfte der Halle zu füllen. Das trübt die Vorfreude der Anwesenden allerdings nicht im geringsten. Immer wieder werden "BUSHIDO"-Sprechchöre laut, mitunter gefolgt von "Ich will ein Kind von dir" Gekreische. Das Publikum selbst ist das eines typischen Popkonzerts und somit erstaunlich austauschbar: Klischeehafte Bushido Kopien mit Tyson Schnitt und Cordon Sport Lederjacke finden sich lediglich eine Hand voll. Die weiblichen Fans sind vor allem in den jüngeren Altersklassen angesiedelt, während die Jungs den Großteil der älteren Besucher ausmachen. Ab 25 Zählt man trotzdem zum alten Eisen...

Um 21 Uhr werden die Lichter gedimmt und die Bassschläge der Intromelodie bringen die gesamte Halle zum beben. Sofort schießen unzählige Handys in die Höhe, die mit ihren leuchtenden Displays der pompösen Lichtershow auf der Bühne ohne weiteres Paroli bieten können. Wenige Sekunden später fällt der Vorhang und die Menge tobt! Da steht er also:  Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido. 33 Jahre alt, wohnhaft in Berlin, Beruf Rapper. Von Eltern verteufelt und von Kindern vergöttert. Wirklich übermenschlich wirkt der gelernte Maler und Lackierer auf den ersten Blick allerdings nicht. Zwischen monströser Video Animation, Drummer, Keyboarder, Bassist und seinem Backup MC Kay One wirkt „Berlins Most Wanted“ schon fast ein bisschen verloren. Rein optisch sticht prompt ins Auge, dass der 80er Jahre Neonfarben Trend mittlerweile auch in Berlin-Tempelhof angekommen ist. Stroboblitzlichtgewitter und düstere schwarz weiß Beleuchtung war gestern. Stattdessen wirkt es fast so, als hätte der Veranstalter die Lichtanlage schon mal für das „Atzen“ Konzert am kommenden Freitag eingestellt. Grün, rot, blau, gelb...

Spätestens bei Tracks wie „Sie wissen, wer wir sind“ dürfte aber auch der letzte Hinterwäldler begriffen haben, dass hier kein Spaßvogel sondern immernoch der Endgegner auf der Bühne steht. Die Live Besetzung an Stelle des obligatorischen Dj's verleiht dem Sound die nötige Fülle. Die Tracklist ist auf das Publikum abgestimmt und enthält somit kaum musikalische Überraschungen. Es werden hauptsächlich Songs gespielt die auch als Single erschienen sind. Sehr unterhaltsam sind dafür die Anekdoten die Bushido zwischen den Songs zum Besten gibt: So behauptet er zum Beispiel, dass Jesus an Ostern geboren wurde, oder stellt die Theorie auf, dass Männer von den Frauen sexuell ausgebeutet werden. Das alles aber gewissermaßen mit einem Augenzwinkern, wodurch es einem schwerfällt dem sympathischen Gangsterrapper irgendetwas übel zu nehmen.

So plätschert das Konzert dann vor sich hin bis es nach genau einer Stunde auch schon wieder vorbei ist! Zumindest vorerst. Nach eher verhaltenen „Zugabe“-Rufen kommt der Meister nochmals auf die Bretter die die Welt bedeuten und sorgt mit „Sonnenbank Flavour“ für einen neuen Stimmungshöhepunkt. Zwei Tracks später wird der kleine David auf die Bühne gehievt, der wie sein großes Vorbild den „Electro Ghetto“ Schriftzug auf den Unterarmen trägt. Den neidischen Blicken der Menge ausgesetzt wird der bestenfalls 12-Jährige schließlich noch vom Gastgeber persönlich über die korrekte Schreibweise informiert – mit c anstatt k – bevor er sich das „dann später stechen lässt!“ Das Publikum johlt, David strahlt! Zehn Minuten und gefühlte hundert „Ihr seid bis jetzt das beste Publikum auf dieser Tournee“-Geständnissen (am zweiten Tourstop) der beiden Rapper später, ist dann endgültig Feierabend.

Fazit: Zeiten ändern sich nun mal! Wer sich an diesem Abend tatsächlich darauf eingestellt hat das skandalträchtige Konzert eines Rüpelrappers zu erleben, dürfte erwartungsgemäß enttäuscht worden sein. Der Staatsfeind Nr. 1 präsentierte sich als professioneller Entertainer, der die Anwesenden souverän und routiniert durch ein schnörkelloses Popkonzert führte. Lediglich die aufwendigen (aber auch etwas penetranten) Videoanimationen und sein teilweise fast schon übereifriger Zögling Kay One, ließen den Altmeister phasenweise tatsächlich ein bisschen alt aussehen. Nichts desto trotz: Für eingefleischte Bushido Fans haben sich die 30 Euro Eintrittspreis mit Sicherheit gelohnt! Für interessierte Außenstehende hingegen waren sowohl der Preis, als auch das Konzert wohl eher guter Durchschnitt, als „Jenseits von Gut und Böse“.


Bericht: MCK / Fotos: Niklas Niessner

 

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