07.11.2009 Writer Special: Folk (JNR / RDK / BSB)

Wir hatten die Gelegenheit mit "Folk" zu plaudern und ihm ein paar Fragen zu stellen.

Für alle die Dich noch nicht kennen, stell Dich mal kurz vor!
Also ich bin der Folk und meine Crews sind JNR, RDK und BSB.

Wann und wieso hast Du mit Sprühen angefangen und was motiviert Dich immer noch regelmäßig raus zu gehen?
Ich hab angefangen mit sprühen, das war so 1997, und erste Trains hab ich so ab 1999 gemacht. Da ich in Niedersachsen aufgewachsen bin, und schon immer mit Zügen rumgereist bin sind mir immer an der Line die ganzen Tags und Bombings aufgefallen, und es hat mich immer interessiert was dahinter steckt. Weiter zu Malen bedeutet für mich, Abzuhängen mit meinen Kumpels, meine Crews zu supporten und das Wissen darum, dass es immer noch ZugSpots gibt die man locker mullern kann.

Bevorzugst Du eher Stahl, oder doch Beton?
Hauptsächlich bevorzuge ich Stahl, hab aber auch nichts gegen ein buntes Hallpiece am Sonntag Nachmittag bei schönem Wetter.

Stichwort Vorbilder: Gibts irgendjemand der dich in deiner Entwicklung beeinflusst oder beeinflusst hat?
Als ich nach Freiburg gezogen bin sind mir die ganzen Mafia Trains und Throw Ups in der Stadt aufgefallen. Und er ist heut noch für mich ein Idol. Außerdem Koma und Phok aus Freiburg, ansonsten mochte ich sehr gern die unzähligen Trains von Remo "RIP" und die Line Pieces von Dream in Basel.

Wie siehts mit Reisen aus? Bist Du viel unterwegs oder beschränkst Du dein Tun eher auf die Freiburger Region?
Ich reise sehr gern und liebe es andere Zugsysteme zu besprühen. Am Liebsten halte ich mich in Frankreich, der Schweiz und in Italien auf.

Freiburg liegt ja relativ "weit am vom Schuss" wenn ich das mal so sagen darf. Connectest Du/ Ihr trotzdem zu den anliegenden Städten wie zum Beispiel Offenburg, Karlsruhe oder sogar Stuttgart?
In letzter Zeit besteht immer mehr Kontakt in die umliegenden Städte. Aber ich persönlich habe mehr Kontakt z.B. nach Zürich, in den Ruhrpott oder auch nach Hamburg.

Du bist ja auch schon eine ganze Weile dabei, wie ist das so für Dich im zunehmenden Alter noch dieses Graffitiding und sein "normales" Leben in Einklang zu bekommen?
Früher war das schon schwer zu kontrollieren - eine Art Sucht und die Angst irgend wo nicht dabei zu sein und etwas zu verpassen. Heute habe ich das Ganze eigentlich gut im Griff, man wird mit der Zeit älter, Kollegen bekommen Kinder, ziehen in andere Städte oder gehen ihrem Beruf nach. Doch es bleibt genug Zeit um sich zusammen zu hocken und die nächste Aktion zu planen oder über alte Zeiten zu plaudern.

Erzähl mal was über Deine Erfahrungen mit der Freiburger SoKo.
Es gibt keine Erfahrungen. Die Zeiten sind vorbei wo Polizisten Undercover in FUBU Jeans ,Helly Hansen Daunenjacke und Air Max auf dem Augustinerplatz aufmarschiert sind. Heute bekommt man eigentlich nichts mehr von ihnen mit. Mittlerweile kümmern sich 2 Personen im Revier Stühlinger um die Szene. Dann gibt es noch die Bundespolizei am Hauptbahnhof, die sich ab und zu mit ihren Taschenlampen über die Gleise schleichen. "Liebe Grüße" an dieser Stelle.

Gibt es eigentlich ein Lieblingsmodell von Dir? Und wieviel Kisten hast Du so übern Daumen gepeilt schon gemacht?
Ich mag eigentlich alle alten kantigen Zugmodelle, nur der moderne neue Scheiß gefällt mir nicht so, zum Beispiel die neue Basler S-Bahn. Es gibt noch so viele schöne Modelle auf dieser Welt, vielleicht fährt mir ja das eine oder andere noch über den Weg. Vor 4 Jahren hab ich bei 300 Kisten aufgehört zu zählen, aber die Masse ist nicht entscheidend.

Wollen wir über die Freiburger Graffiti Szene sprechen?
Mit den Jahren werden andere Dinge im Leben wichtiger und man verliert den Überblick über die Szene, aber man freut sich immer wieder wenn man in irgend einem Club jemanden mit einem Marker in der Hand trifft und feststellt, das man dem gleichen Hobby nachgeht. Momentan sehe ich öfters neue Sachen von zB. SR, YF, UIR aber auch Sachen wie EPK fallen mir positiv auf. Ich finde es heutzutage erstaunlich wie schnell sich manche in ihrer Qualität verbessern.

Was hältst Du so von Streetart? Hast Du irgend wann auch schon mal drüber nachgedacht nachts mit Tapetenkleister, Bürste und Teleskopstange rauszugehen?
Im Grunde genommen soll jeder machen worauf er Bock hat. Auf der Straße gibt es keine Regeln. Ich ziehe lieber nachts meine Runden als nachmittags Aufkleber zu gestalten.

Was kann man von Dir in Zukunft erwarten?
Ich hoffe man wird in der Zukunft noch den einen oder anderen Zug von mir durch Europa fahren sehen. Aber ich will auch nicht ausschließen die Line zu verschönern . Mit dem Streetbombing habe ich in Freiburg abgeschlossen, da es für mich mittlerweile zu riskant geworden ist. Ich habe sehr viel Respekt vor Leuten die momentan noch aktiv die Straßen bomben.

Gibt es irgend eine Seite im World Wide Web wo wir mehr von Dir betrachten können?
Ab und zu sieht man auf einschlägigen Seiten durch Zufall ein paar Kisten von mir und meiner Crew.

Und jetzt zum spannendsten Punkt: Hast Du eine gute Writer Story für uns auf Lager?
Eine? Viele! Hier eine meiner Lieblingsgeschichten:
Im Jahr 2001 bin ich mit einem Kollegen mit dem Wochenendticket in den Ruhrpott gefahren und habe einige Städte besucht. Schnell ergab sich auch ein Kontakt zu einer lokalen Crew in Dortmund. Nach einigen Bieren und Überlegungen machten wir uns in einer großen Gruppe auf zu einem Backjumpspot in einem Vorort Dortmunds. Unser Plan war es, die letzte U-Bahn zu bomben.
Völlig übereilt machte sich auch schon einer der Dortmunder Kollegen zu schaffen während wir anderen noch im Gebüsch lagen. Problem an der Sache: Eigentlich wäre es schlauer gewesen abzuwarten bis der Fahrer durch den kompletten Wagen ans andere Ende gegangen wäre um später zurück fahren zu können. Allerdings war er wachsamer als angenommen und begann zu schreien und von innen wild an die Fensterscheiben zu schlagen. Da er uns nun sowieso entdeckt hatte, beschlossen wir drauf zu scheißen und das Ding durchzuziehen. Nach gefühlten 10 Minuten waren wir fertig und machten uns aus dem Staub, denn weit und breit war von den Dortmundern nichts mehr zu sehen. Wir liefen über ein Feld Richtung einer Wohnsiedlung und überlegten was wir jetzt machen sollten, Mir war es wichtig, unsere "dunkle Verkleidung" loszuwerden. Eilig schmiss ich meinen Kapuzen Pullover und die Sturmmaske über eine Hecke in einen Vorgarten.
Im nächsten Moment blendete uns auch schon das Fernlicht der freundlichen Beamten in grün. Kurz darauf befanden wir uns in der Adlerposition mit Kopf auf der Motorhaube. Die Beamten waren sich 100 % sicher dass wir die Täter waren. Mein Kollege erzählte den Jungs die reinsten Hollywood Geschichten, dass wir von Freiburg getrampt seien und uns unterwegs das Gepäck in Frankfurt geklaut worden sei. Die Beamten glaubten uns kein Wort und fuhren uns zur U-Bahn Station. Dort war schon High Life mit U-Bahnwache, den Polizeiwachen und dem fluchenden U-Bahnfahrer. Mein Kollege wurde als erster zur Gegenüberstellung mit dem Fahrer gebracht. Ein zweiter Polizist holte mich dazu und ich hörte den Fahrer im breitesten Pott Slang sagen: "Nää, dat warnse nich. Die Täter waren dunkel jekleidet und hatten Motorradmasken auf".  Am Ende boten uns die Beamten noch an, uns in die Dortmunder Jugendherberge zu fahren. Wir lehnten dankend ab und wünschten ihnen noch viel Erfolg auf der Suche nach den Schmierfinken. 2 Stunden später trafen wir unsere Dortmunder Kollegen denen ebenfalls nichts passiert war und betranken unser nächtliches Erlebnis gemeinsam.
Das war eine Geschichte an die ich mich immer wieder gern errinnere.

Letzter Punkt, Shotouts und Grüße...?
Grüße gehen raus an alle die mich kennen und bei denen ich schlafen durfte und mit denen ich mir die Nächte um die Ohren gehauen habe!

 

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