22.01.2012 Writer Special: Rism (UIR/ YF)

Achtet man in Freiburg auf Streetbombings und Tags gibt es nur eine handvoll Personen die sowohl qualitativ auch als quantitativ hervorstechen. Ein immer wieder kehrender und wohl kaum zu übersehender Name fällt dabei stark ins Auge: „Rism“. Bekannt für seine Masse an Tags, Bombings und Rooftops, waren wir sehr gespannt was er uns im Interview zu erzählen hatte.

Hallo Rism, es gibt kaum jemanden der seinen Namen auf Freiburgs Straßen so oft hinterlassen hat wie Du. Warum liegt Dein Schwerpunkt so eindeutig beim Streetbombing?
Ich weiß gar nicht so genau wieso, aber viele andere Alternativen hat man ja hier kaum. Das Yard hier finde ich scheiße, und außerhalb Zug malen war mir meist zu viel Aufwand. Zuerst irgendwo hinfahren, checken, malen und dann ist meist schon der ganze Tag vorbei. Stattdessen geh ich am liebsten einfach vor oder nach einer Party noch malen. Vielleicht bin ich fürs Train malen aber auch einfach zu faul, oder hab einfach zu viel Schiss.

Woher nimmst du dafür ständig die Motivation? Bei jemandem wie Du, der derart präsent ist, fragt man sich was Dich überhaupt noch antreibt regelmäßig zum Sprühen rauszugehen.
Ich mach das schon so lang nur für mich und gar nicht unbedingt um nur um meinen Namen zu verbreiten. Nur für den „Fame“, war nie mein Antrieb.
Früher fand ich die Formulierung oft lächerlich, doch inzwischen muss ich sagen, ich mach es auch für den „Kick“.
Genug habe ich vielleicht irgendwann mal wenn ich älter bin. Ich hab mir dabei auch keine Ziele gesetzt. Ich will einfach nur was malen was mich zufrieden stellt, doch schon meist am nächsten Tag beim Foto machen gefällt mir das Piece nicht mehr..
Dann bin ich oft unzufrieden mit meinen Sachen, und das treibt mich immer wieder vorwärts. Es gibt sehr viele begabte Sprüher die immer das umsetzen, was sie sich vorgenommen haben, das ist bei mir nicht der Fall. Meine Bilder ständig zu verbessern, ist mein Antrieb immer wieder rauszugehen.

Auffällig sind die krassen Rooftop Spots die Du malst. Da fragt man sich schon ob Du dafür eine James Bond Ausrüstung dabei hast, oder einfach nur auf Dreistigkeit setzt.
Nein, ich hab sicher keine Geheimagentenausrüstung dabei. Im Grunde genommen sieht man das ja in jedem Graffiti Video wie das funktioniert. Auf den Bauch legen und eine lange Teleskopstange dabei haben reicht schon. Sobald es dunkel ist blenden die Laternen auf der Straße und keiner schaut mehr hoch.

Was beeinflusst Dich bzw. Deinen Stil? Gibt es Sachen die Du Dir gern anschaust, die Dich flashen?
Ich schau mir schon seit längerem nur recht wenig an. Im Internet kaum noch, ab und zu blättere ich mal ein paar Magazine durch. Das „One Up“ Video ist das erste Video das ich seit längerer Zeit mal wieder gesehen habe.
Einer der wenigen Writer dessen Pieces ich mir gern anschaue sind die von „K100“, einer meiner Crewboys. Die Sachen von ihm flashen mich wirklich.
Als ich in meiner Anfangszeit gesprüht habe, hat er noch längst nicht gemalt, war ab und an bei unseren Backjumps dabei und hat die Türen aufgehalten. Heute find ich seine Sachen besser als meine! Er ist mein Lieblingswriter!

Graffiti in Freiburg?
Ich denke für diese kleine Stadt ist hier schon recht viel los. Ich finde es hier ehrlich gesagt auch ziemlich entspannt. Die Leute hier, reagieren keines Falls aggressiv auf Graffiti. Ganz im Gegenteil. Vielleicht fühl ich mich hier aber auch nur einfach so sicher weil ich hier schon so lange lebe. Gebuffed wird auch nicht sehr viel, außer im Sommer letzten Jahres als der Papst in der Stadt war. Aber ansonsten bleibt hier ja auch recht viel recht lange stehen.

Schätzt du es beim Sprühen Nachts allein unterwegs zu sein, oder mit anderen?
Ich persönlich finde es einfacher allein unterwegs zu sein. Ich fühle mich dabei sicherer und kann genau das machen was ich mir vorgestellt habe.
Deswegen habe ich auch nicht so viele Züge gemalt. Zum selber auschecken und drum kümmern war ich meist zu bequem und wenn mich die anderen mitgenommen haben, hatte ich oft das Gefühl nicht alles unter Kontrolle zu haben. Deshalb ist allein Sprühen gehen für mich einfacher, außerdem geht’s meist schneller.

Was bedeutet Stress mit der Polizei für Dich? Hast Du Erfahrungen mit der Freiburger SoKo machen müssen?
Die Freiburger Soko kenn ich gar nicht. Allgemein gibt es hier in Freiburg kaum einen Bullen ohne Dialekt, und das sagt ja auch schon ein einiges über die ortsansässigen Cops aus.
Letztes Jahr im Sommer war ich oben auf dem alten Unibibliotheksgebäude zum Rooftop malen. Und als ich da so auf dem Bauch mit der Teleskopstange in meinen Händen, liege, sehe ich auf einmal so einen Bullen auf der Kreuzung stehen und nach oben zu mir schauen. Er leuchtet mit seiner Taschenlampe zu mir hoch und schreit: „Komm runter du Pfeiffe!“ Daraufhin hab ich kurz gewartet was passiert. Und wollte dann irgend wann runter laufen. Da kamen die Cops dann mit Hundestaffel die Treppe rauf. Ich hab mich auf dem Stockwerk versteckt und hab nicht verstanden warum der Hund mich nicht gerochen hat, er war kaum 10 Meter von mir entfernt. Und als die dann weiter hoch Richtung Dach gelaufen sind, bin ich unten raus spaziert.
Ansonsten habe ich keine näheren Erfahrungen mit den Freiburger Cops gemacht.

Wieviel Zeit steckst du in Graffiti, gibt es für Dich daneben noch andere Sachen? Und hast Du einen „ganz geregelten“ Alltag?
Ich mal eben ab und zu Skizzen, in aller Regel bevor ich etwas malen gehe. Ich male nie „Freestyle“ denn wenn ich das mache, geht es meistens in die Hose. 10% der Sachen die ich mache, mache ich tief in der Nacht, den Rest schon nach Einbruch der Dunkelheit. Dazu such ich mir aber auch Stellen raus bei denen das geht. Nebenbei mache ich viel Sport, gehe joggen, mache Turmspringen und spiele Footbag. Im Grunde genommen habe ich genauso einen geregelten Alltag wie jeder andere.

Deine Beziehung zu Deinen beiden Crews?
Meine Crews sind meine Freunde, sind Freunde mit denen ich auch außerhalb von Graffiti was mache. Leider leben unsere Crews inzwischen sehr verstreut. Zu UIR gehören außer mir, „K100“, „Barok“, „Dr. No“ und „Zaire“. Und dann gibts ja auch noch unsere große Gang: die YF Crew - die große Crew in der die Crews wie „UIR“, „SR“ oder „QIY“ vereint sind. Mittlerweile sind wir über ganz Europa verstreut.

Hast Du eine Meinung zu Streetart?
Ich fand den Banksy Film extrem inspirierend. Weniger die Sachen die im Film gezeigt wurden sondern vielmehr die Art und Weise wie sie angebracht wurden, die Actions, Nachts mit Leiter, irgendwo stehen und was malen oder installieren.
Und prinzipiell find ich es gut wenn Leute irgend etwas machen, ich hab da nichts dagegen, mir fällt das allerdings gar nicht so auf. Solang Leute irgendwie produktiv sind find ich es gut, es gibt durchaus ja auch wirklich gute Sachen. Ich hab überhaupt nichts dagegen, gerade aus der Graffitiszene kommen ja viele die Streetart Überhaupt nicht mögen.

Sieht man die Menge der Bombings und Tags von dir in Freiburg könnte man meinen Du verfolgst deine Ziele mit einer gewissen Konsequenz und Respektlosigkeit. Ist dies auch in anderen Bereichen des Lebens der Fall? Oder ist eigentlich alles ganz anders und privat bist du eher so der spießbürgerliche Typ?
Eigentlich hab ich ja schon so gewisse Prinzipien. Frische Häuserwände wo noch nichts dran ist, mache ich nicht so gerne. Allerdings ist ein gut platziertes Tag wichtig, da wo es jeder sieht. Diese mache ich am Liebsten mit weißen Markern bzw. Lackstifen. Und ich denke, das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun, es gehört einfach zu jedem Stadtbild dazu. Inzwischen ist es doch schon so normal, dass es den meisten Leuten ja auch gar nicht mehr auffällt. Den Leuten fällt es nur dann auf, wenn es an ihrer eigenen Wand stattfindet.

Die obligatorische Frage nach einer guten Writerstory?
Erstes Mal in Mailand mit 2 Kollegen. Einer kennt sich angeblich gut aus. Nachdem wir in  5-6 Yards waren, in denen nichts klar ging, finden wir endlich eins. Dort treffen wir allerdings auf Zigeuner die uns mit Steinen beschmissen und mit Eisenstangen hinter uns her rannten. Nach einem gefühlten Marathon, und die immer noch hinter uns, sind wir letztendlich zu dritt in so einen Hofeingang gerannt um uns zu verstecken. Da wir uns dort aber sehr unsicher fühlten, sind wir anschließend weiter, mussten dabei über eine Mauer mit Stromschienen balancieren, ständig die Angst im Nacken. Letztendlich sind wir dann doch weggekommen, völlig außer Atem.
Ich glaub, ich hatte noch nie so viel Schiss beim wegrennen, wenn die uns erwischt hätten, die hätten uns mit ihren Eisenstangen sicher tot geprügelt.

Zu guter Letzt. Gibt es etwas was Du noch loswerden willst? Shotouts? Grüße?
Ich hab meine Dosen immer alle geklaut, ich will gar nicht wissen wie viele das waren.
Grüße an die Gang und alle Leute die ich kenne!

Interview: CK


 

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