29.03.2015 Writer Special: Rakis (MBC/ KDZ/ SK/ 7click/ GBK)

Kaum ein anderer Writer in der Region ist so omnipräsent wie Rakis. Egal ob Street, Yard oder Hall nur wenige haben qualitativ und quantitativ einen vergleichbar hohen Output. Höchste Zeit für uns, ihm ein paar Fragen zu stellen!

Hi Rakis! Stell dich doch mal kurz vor! Wer bist du und zu welchen Crews gehörst du?
Guuude! Ich male Rakis seit nun achteinhalb Jahren und vertrete folgende Crews mit Herz und Seele: MBC und KDZ aus Freiburg dann 7´Click aus Strasbourg, SK aus Rastatt/ Karlsruhe und die GBK Crew aus Stuttgart, die dieses Jahr stolze 16 Jahre feiern. Ja es sind ein paar Crews, aber ich gebe mir größte Mühe, meine Brüder und Schwestern regelmäßig zu sehen!

Und wann hast du angefangen mit sprühen?
Ich habe Graffiti im Jahre 1998 erstmalig wahrgenommen und richtig angefangen so um 2000.

Du bist ja wirklich so gut wie in jeder Disziplin präsent (Tags / Bombings / Walls / Trains), hast du dabei ein "Lieblingsmedium"?
Es gibt für mich nicht direkt ein Lieblingsmedium, dennoch finde ich Taggs und Trains sehr ansprechend. Doch inzwischen nur noch um Modelle zu sammeln und wegen des Real Deals eben, da niemand vergessen sollte worauf es angefangen hat!

Geht es dir dabei in erster Linie um den oft beschworenen Adrenalinkick oder tatsächlich um eine flächendeckende Präsenz?
Gute Frage! Ich meine als ich angefangen habe zu malen, war mir der Ruhm schon sehr wichtig. Der Adrenalinkick kam als nächstes. doch inzwischen geht es mir nicht um Ruhm. Die eine oder andere Action mache ich dann vielleicht mal wegen des Adrenalins, z.B. S-Bahn Backjumps oder TGV´s. Doch momentan finde ich Graffiti als wahre Leidenschaft, bei der es mir unglaublich wichtig ist, kein King zu sein, keine Arroganz zu zeigen und vor allem nicht zu glauben, dass ich etwas Besonderes sei. Es gibt tausende und aber tausende die denselben Scheiß machen wie ich oder du, oder, oder, oder. Und dabei versuch ich nur bei der Wahrheit zu bleiben. Ich meine wenn wir uns mal unsere Menschheitsgeschichte anschauen, gibt es wenige Könige die nicht gestürzt wurden, und das ist ein historischer Fakt.

 

Wie sieht denn so ein typischer Tag in Deinem Leben aus? Gibt’s noch relevante Themen abseits des Graffitis für Dich? 
Momentan bin ich doch sehr in Graffiti verwurzelt. Aber eine Tatsache ist auch, dass mir schon immer Leute gesagt haben, dass ich völlig fanatisch sei bezüglich Graffiti. Mein Tag ist immer so ausgelegt, dass ich meiner Freundin helfe soweit ich kann und schaue, dass ich Aufträge an den Start bekomme. Ebenso versuche ich so viel zu lesen wie möglich ist, also das fängt bei Philosophischen Texten an und kann bis Astronomie gehen. Da ich mich eigentlich für alles interessiere was mit Natur, Soziologie, Technik oder Wissenschaft zu tun hat wird mir eigentlich nie langweilig. Man sollte einfach nicht zu viel schwätzen sondern tun!

Beschreib doch mal Deinen Graffiti-Style! 
Grundsätzlich basiert mein Style auf den klassischen Graffiti Wurzeln. Dennoch versuche ich mich davon gerade bewusst zu lösen. Um mich weiter zu entwickeln, und neue Sichtweisen und Perspektiven zu verstehen und auch auszuprobieren. Ich kann nicht sagen, dass ich bereits einen finalen Style gefunden habe, sondern versuche mich stetig weiterzuentwickeln.
 

Der Kunstmarkt zum Thema Graffiti und Street Art boomt wie nie zuvor. Unglaublich viele Sprüher veröffentlichen Leinwände, Skulpturen oder ganze Siebdruckserien. Verfolgst Du das? Setzt Du Dich damit auseinander und ist dies auch ein Ziel in Deinem Fokus?
Ich denke, dass es eines der höchsten eigenen Ziele ist, mit dem was man liebt, Spaß hat und sich glücklich fühlt, letztendlich finanziell unabhängig zu sein. Respekt für jeden der das macht, er hat es geschafft seine Kunst und Person so gut zu vermarkten, dass es ein breites Publikum akzeptiert und kauft. Den Markt verfolge ich interessiert und beobachte die Entwicklung von verschiedensten Artists und Künstlern.

Stichwort Medien: Kaufst Du noch regelmäßig Magazine?
Nicht unbedingt. Lieber Bücher mit Texten, aus denen man Erfahrungen von gleichgesinnten herausziehen kann.

Und wie gehst Du im Kontext Graffiti mit Internet und sozialen Medien um?Uhh jetzt muss man ja aufpassen was man sagt (lacht). Also ich würde nicht sagen, dass ich das Netz gar nicht nutze, aber ich versuche es ebenso zu tun, dass es eigentlich nur eine spezielle Gruppe sieht, und das sind meine Jungs. Man versucht eben einfach keinen Cyber-Fingerabdruck zu hinterlassen. Thema Sicherheit auf jeden Fall nicht vernachlässigen! 
 

Und beobachtest Du was andere Sprüher im Netz treiben?
Nur sporadisch. Mir ist es eigentlich mehr wichtig was ich von den Leuten mit eigenen Augen sehe – Back to the Roots eben. Ich möchte mir die Zeit nehmen, wenn ich vor den Bildern Anderer stehe und mir diese in Ruhe anschauen. 

Thema Reisen: Reist du gerne? Stehst du auf Graffiti Tourismus? 
Absolut, das tut doch jeder gerne. Aber ich bin ehrlich. Ich bin viel zu wenig gereist. Hier und da war ich zwar schon, bin aber leider nie großartig aus dem Kreis der Crew heraus gekommen. Daher versuche ich momentan nachzuholen was geht! Da die unterschiedlichen Crews inzwischen ein ganz gutes Sammelsurium an Connections haben, werde ich das in Zukunft auch nutzen. Grundsätzlich ist Graffiti-Tourismus zwar einerseits richtig geil, aber andererseits auch echt schlecht für alle Locals. Daher ist es wichtig, sich mit Geduld zu wahren, und vielleicht manchmal lieber zu warten als alles unbedingt zu machen. Lieber Locals kennenlernen und absprechen. Das tut allen gut - auch den Egomanen (lacht)!

Was war denn so dein exotischster Ort an dem Du gesprüht hast?
Ich war mit Pone und Dorie in Marseille gewesen. Nicht nur die Fahrt dorthin war krass, sondern der gesamte Flavour der Stadt. Dorie hat dort gute Verbindungen zu den Locals. Somit hatten wir einen echt „gut gedeckten Tisch“. Kein Stress. Oben ohne, nur Hemd drübergezogen und völlige Maskierung durch Tricolore - und Bruder Pone und Schwester Dorie dabei, besser konnte es nicht sein.
Mal abgesehen vom Sprühen dort hingen wir nur an den Localspots rum, hatten immer die besten Locations in der Stadt. Ohne Touristen. Auch am Strand! Alle am Rauchen, von alt bis jung. Wetter war perfekt. Ich kann es nur empfehlen.

Wo siehst Du Dich in Zukunft? Denkst Du manchmal drüber nach wo Du in z.B. 10 Jahren stehst?
Ich werde versuchen weiterhin am Start zu bleiben. Werde noch mehr der Geschichte in Erfahrung zu bringen. Vielleicht werde ich alles, was ich so gehört habe und Gesehen habe mal in einem Buch festhalten. Oder das wäre es ja - eine Einstellung als Professor für Graffitigeschichte (lacht).

An dieser Stelle brauchen wir noch eine hollywoodreife Writer Story von Dir, ich bin mir sicher du hast Dutzende zu erzählen?
Also du willst ne Writerstory hören, gut die kannst haben. Es waren damals Asik (SK/ MBC), Trumb (MBC/ RCS), Neom (ISF), Jets (ISF), Bsiq, Disk (SK/ MBC) und ich. Geplant war ein Wholetrain. Alles war gut vorbereitet und jeder wusste wie die Lokalität aussah. Der Tag versprach nicht die besten Konditionen, was so viel  heißen soll wie, es hat geregnet. Nun Gut, auch das konnte uns keineswegs stoppen. Einfach die eine oder andere ZEWA-Rolle eingepackt und zwei, drei, vier oder fünf Joints geraucht. Wir waren am Spot, ein Dorf, angekommen und mussten noch einen guten Weg bis zum Train laufen. Wir sahen schon das kleine Depothäuschen, ach ein  süßes Ding - und liefen dann auch bald daran vorbei, als uns allen eine Kunststofffolie auf dem Dach des Depots auffiel.
Kurz zur Erklärung: das Depot liegt direkt an einem sehr hohen Berg, Schwarzwald eben. Zwischen Berg und Depot ist eine kleine Straße, welche nur von Bahnbediensteten genutzt werden darf. Genau auf dieser kleinen Straße befanden wir uns.
Also eine Folie – unsere Spannung stieg. Vom Berg hatte sich ein relativ großer Fels gelöst und war direkt in das Depot gefallen und ein Stück der äußeren Wand war davon getroffen.
Also ehrlich, wir konnten erstmal unseren Augen nicht trauen. Wie oft sieht man denn sowas. Also Regen, ZEWA und dann sowas. Ok Asik und ich haben nicht lange gefackelt und gaben Anweisung, dass sich das Lackierteam doch bitte wieder zu den Toren bewegen solle, wir würden dann bald einladen zum Lackieren. Also gut die Wand war weg, aber wir waren immer noch nicht in der Halle. Wir mussten auf einen Schrank klettern und die sich oben befindenden Fenster mittels Stein öffnen. So okay - Fenster offen, jedoch eine Differenz von oben bis unten in die Halle von gut 3 Metern. Die einzige Möglichkeit war einfach „cool“ zu bleiben. Die Fenster waren recht dick und überall hingen Glassplitter. Das Ganze erinnerte mich an eine Guillotine. Min unseren nassen Schuhen mussten wir auf den angebrachten PVC Rohren irgendwie versuchen herunterzukommen. Letztendlich haben wir auch das gemeistert und landeten auf beiden Füßen in der Halle des Depots. Nun, da ich ja etwas länger als Ingenieur gearbeitet hatte, war klar, dass wir schnellstens den Sicherungskasten finden mussten. Was auch gleichgetan war. Ich drücke den Knopf und begrüße das Lackierteam nur mit:“Was stehts da denn so faul rum? Ran an die Arbeit!“.
Schlussendlich kam jeder auf seinen Spaß. Super Fotos und eine gute Geschichte, die mir leider nicht jeder gleich glaubt.

Danke Dir für dieses ausführliche Interview - letzte Chance für Grüße und Shoutouts und Lebensweisheiten.
Ja ich glaube, dass man sich treu bleiben muss und sich immer selber eine Meinung über Dinge oder Ereignisse bilden sollte. Fernsehen macht dumm und Bücher lesen grenzt aus, man hat die Wahl.
Shoutouts gehen an alle die mich kennen, an alle die sich schon seit langer Zeit im Game aufhalten. An Alle, die noch aus den alten Tagen da sind. Und vor allem an die, die viele schöne aber auch schlechte Momente in Ihrem Leben mit mir teilten.
Danke an Alle, die unglaublich viel Kraft in die Graffiti-Kultur stecken, sei es wegen Jams, Büchern, Magazinen oder anderen Dingen.
Danke PONE 197 und Dorie!

Danke und Alles Gute!
 

 

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